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Social Media – Obama geht in die in die zweite Runde

Nach dem erfolgreichen Social-Media-Wahlkampf von Barack Obama in den USA und dem Sieg herrschte zunächst unerwartete Funkstille seitens des Weißen Hauses. Nur noch vereinzelt wurden nach dem 5. November Tweets abgesetzt. Schnell machte sich Enttäuschung unter den Followern breit. Kritik am plötzlichen Schweigen Obamas wurde laut. Warum eine so erfolgreiche Kommunikationsstrategie ohne ein Wort beendet wurde, konnten viele nicht nachvollziehen.

Die Gründe für die Sendepause waren offensichtlich verwaltungstechnischer Natur. Zwar unterzeichnete der Präsident bereits am 21. Januar einen Erlass, indem er alle Abteilungen und Behörden dazu aufrief, ein System der Transparenz, Beteiligung der Öffentlichkeit und Zusammenarbeit zu schaffen, die bürokratische Umsetzung dauerte jedoch etwas länger. Schwierigkeiten bereiteten unter anderem Hürden innerhalb der Institutionen, die bisher eigentlich verhindern sollten, dass Mitarbeiter sich an  ihrem Arbeitsplatz in die 2.0-Welt einloggten.

Erst gute fünf Monate später konnte deshalb die Social-Media-Offensive des Weißen Hauses  in die in die zweite Runde gehen. Am ersten Mai sendete „whitehouse“ via Twitter die erste offizielle 140-Zeichen Meldung der Obama-Administration. Inhalt der Botschaft waren Verweise auf Foren in denen sich die Bürger über die Schweinegrippe informieren konnten.

Zudem veröffentlichte der amtierende amerikanische Präsident pünktlich zu seinen 100 Tagen im Amt Bilder auf Flickr. Auf über 300 Fotos können wir das Arbeits- und Privatleben des Präsidenten online nachvollziehen.
Die Bilder zeigen ihn als verantwortungsvollen Präsidenten, als Sportler oder liebevollen Familienvater und Ehemann. Auch in anderen Social Networks ist die amerikanische Verwaltung inzwischen vertreten. Insgesamt eröffneten bisher 30 staatliche Behörden inklusive dem Weißen Haus einen eigenen Facebook-Account. Und auch auf Youtube und MySpace existieren inzwischen Channels.

In Deutschland ist man bisher noch nicht so weit in die Social-Media-Welt vorgedrungen. Weder existiert ein Merkel-Flickr-Stream, noch ist das Bundeskanzleramt via Twitter oder auf Youtube und Facebook vertreten. Inwieweit solche Kommunikationsinstrumente in Deutschland Erfolg hätten, ist ohnehin noch zweifelhaft. Abgesehen von bürokratischen Hindernissen, gilt es auch kulturelle Hürden zu überwinden.

Die deutschen Social-Media-Nutzer sind zunächst vor allem an Ergebnissen von Merkels Handeln, sowie am Dialog über ihre Politik interessiert und weniger an ihrer rein bildlicher Dokumentation. Einen bloßer Merkel-Flickr-Stream wäre deswegen wohl eher unattraktiv. Ein Twitter-Account der Kanzlerin könnte dagegen auf mehr Interesse stoßen. Über diesen Kanal wäre es Angela Merkel und einzelnen Regierungsmitgliedern möglich, wichtige aktuelle News oder Links zu Informationsseiten schneller publik zu machen. Auch über Facebook wäre das denkbar.

Bei beiden Instrumenten stellt sich jedoch die Frage, inwieweit hier tatsächlich ein konstruktiver Dialog geführt werden kann. Das Angela Merkel – oder vielmehr ihre Berater – posten und twittern würden, halte ich noch für möglich, dass sie auf alle Reaktionen auch eingehen könnten, für wünschenswert aber unrealistisch.

Einmal im Amt bleibt dafür meist keine Zeit mehr. Ohne Engagement aber stirbt der Dialog und die Accounts werden zu reinen Informationskanälen. Es stellt sich die Frage, inwieweit 2.0-Instrumente dann nicht zu 1.0-Instrumenten werden.

Auch Barack Obama hat nach seinem Sieg bisher nur noch selten getwittert. Einmal um mitzuteilen, dass man nun dem Weißen Haus auf Twitter folgen kann.

http://www.facebook.com/s.php?q=white+house
http://twitter.com/whitehouse
http://www.flickr.com/photos/whitehouse

[Foto auf der Startseite: Official Whitehouse Photo Stream]

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Discussion

Comments for “Social Media – Obama geht in die in die zweite Runde”

  • Der Unterschied zwischen deutschen (europäischen?) Politikern und Barack Obama ist im Moment die Ausstrahlung. Die hat er auch seinen amerikanischen Kollegen voraus. Wer gestern Ausschnitte oder die komplette Rede Obamas in Cairo gesehen hat (http://www.youtube.com/watch?v..., der wird daran erinnert, welche Wirkung gute Reden haben können. Davon sehen wir in Deutschland ja nicht viele. Wenn ich mich an die letzte Berliner Rede von Horst Köhler erinnere, dann meine ich schon, dass da ein meilenweiter Unterschied besteht. Und das schlägt natürlich auch auf den Erfolg (und bei deutschen Politikern auf den Misserfolg) von Social Media Tools durch. Wer würde sich schon Köhlers Rede nochmal in voller Länge ansehen? Gerade Köhler könnte rücksichtsloser und offener und damit näher an den Bürgern sein als Merkel und Co., die unmittelbar in Parteiinteressen eingebunden sind.

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