Kein Präsidentschaftskandidat in den USA hat es in den letzten Jahren geschafft, so viel Euphorie zu entfachen wie Barack Obama. Mehr noch als in den klassischen Medien kam das in der Kommunikation im Netz zum Ausdruck. Das hat mehrere Gründe: Er ist nicht nur eloquent und charmant – was vor allem Frauen beeindruckt –, sondern auch erfrischend anders als das gewohnte Washingtoner Establishment. Von ihm hört man selten die abgedroschenen Phrasen, die so austauschbar sind wie Fast Food. Er ist rhetorisch meisterhaft. Er ist cool.
Das alleine kann die „Obamania“ aber nicht erklären. Dahinter steckt mehr. Die Faszination lebte auch aus dem Kontrast mit George W. Bush und aus dem Vergleich mit einem amerikanischen Mythos: John F. Kennedy. Auch Kennedy war 1960 jung, dynamisch, unverbraucht. Und auch Kennedy hat es geschafft ein damals neues Medium für sich zu nutzen: Das Fernsehen und darin das politische Fernseh-Duell. Obama nutzt das Internet.
Nicht zufällig wählte Obama Berlin als die europäische Stadt, in der er am 24. Juli 2008 vor 200.000 Zuhörern eine umjubelte Rede hielt. Kennedy hatte hier sein „Ich bin ein Berliner“ gesprochen. Obama sagte: „Bürger Berlins – Völker der Welt – dies ist unser Moment. Dies ist unsere Zeit… Die Straße vor uns wird lang sein. Aber ich stehe vor Ihnen, um Ihnen zu sagen, dass wir die Erben eines Freiheitskampfes sind. Wir sind Menschen mit unwahrscheinlicher Hoffnung. Lasst uns mit einem Blick auf die Zukunft, mit Zuversicht in unseren Herzen uns an diese Geschichte erinnern, dem Schicksal antworten und die Welt wieder erneuern.“
Nicht zuletzt diese Perspektive verschafft ihm in Europa eine enorme Unterstützung. Es ist die Hoffnung auf ein anderes Verhalten der USA. Nicht mehr Einzelgänge als Weltpolizist, sondern partnerschaftlicher Umgang. Nicht mehr Blockade beim Klimaschutz, sondern aktives Mitwirken der USA im Kampf gegen den Klima-Killer CO2. Und es sind die magischen Worte „Hoffnung“, „Zuversicht“ und „Zukunft“.
Auf amerikanischer Seite beruht die „Obamania“ auf einem Versprechen: Change, Wandel, war eines der am häufigsten verwendeten Worte in Obamas Wahlkampfreden. Noch immer verweist der erste Google-Treffer bei „change“ auf Obamas Wahlkampfseite, die schon eingedampft ist. Normalerweise kann die Ankündigung von Wandel Ängste auslösen. Obama lässt solche Ängste gar nicht erst aufkommen. Halb Professor, halb Prediger streut er zwei Botschaften: Erstens, der Wandel ist nötig und ich weiß, wie er zu bewerkstelligen ist. Zweitens, Amerika und die Amerikaner sind stark genug, den Wandel herbeizuführen und der Krise zu trotzen. Da sind sie wieder: „Hoffnung“, „Zuversicht“, „Zukunft“ – verheißungsvolle Angebote.
Der Kontrast zu George W. Bush lässt Obama noch glänzender dastehen. Acht Jahre, an deren Ende ein gigantisches Haushaltsdefizit steht, zwei Kriege, die noch lange nicht gewonnen sind, ein dramatischer Ansehensverlust in der Welt, auch bei den eigenen Verbündeten.
(Bild: Flickr)
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