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Sind Social Networks Orte für den Wahlkampf?

Sind Social Networks Orte für den Wahlkampf?Über Wahlkampf im Web nachzudenken, das lässt meine Gedanken immer wieder in die USA schweifen. Denn wenn Eines Obamas Online-Kampagne wirklich gekennzeichnet hat, dann war es die Konsequenz, mit der er alle denkbaren Web-2.0-Instrumente für eingesetzt hat. Mehr als zwei Millionen Menschen meldeten sich, so ist im Handelsblatt vom 19. Februar 2008 in einem Beitrag von Thomas Knüwer nochmals nachzulesen, bei Obamas neu geschaffenem Social Network MyBarackObama an, drei Millionen Menschen unterstützen Obama bei Facebook, bei Twitter brachte er es auf mehr als 200.000 Leser weltweit.

Doch wo ist der richtige Platz für Politik im Web? Nicht wenige Social Networks verbitten sich in ihren Nutzungsbedingungen nicht nur kommerzielle Kampagnen, sondern auch politische Werbeaktionen. Auf der anderen Seite gelten gerade Facebook & Co. als wichtige Plattformen im Kampf um die Wählergunst. Große Aufmerksamkeit erregte in diesen Tagen daher die Tatsache, dass eine Gruppe der SPD im zu Holtzbrinck gehörenden Studentennetzwerk studiVZ gleich zweimal in Folge gelöscht wurde. Die Empörung war groß: “Unter diesen Aspekten kann nur davon abgeraten werden, StudiVZ als Plattform für ernsthafte politische Diskussionen zu nutzen”, protestierte Christian Söder im Blog der SPD Baden-Württemberg. studiVZ reagierte diesmal schnell und richtig: Der Technikvorstand entschuldigte sich schriftlich und telefonisch.

Sind Social Networks als Wahlkampfplattform also problematisch? Meine These: Das ist noch nicht klar. In Deutschland gleicht der politische Wahlkampf im Web einem Flickenteppich. Wer sucht, der findet sie schon – die Trendsetter, die Pioniere unter den Politikern, die sich dem Dialog im Social Web bereits stellen. Aber der große Vorreiter fehlt aus meiner Sicht, von einem Wow-Effekt sind wir weit entfernt.

Oder? Kurz horchte ich auf, als Nielssen neulich meldete, Bundestagspolitiker würden konsequent auf Twitter setzen. Doch bei genauerem Hinsehen hielt die Studie einer Prüfung nicht stand, erntete im Social Web Spott und Hohn, da viele Twitter-Accounts von Politikern Fälschungen sind oder kaum genutzt werden, wie im Sympra-Blog berichtet. Andererseits folgen unserem Twitter-Account @demokratie20 ja inzwischen Dutzende “echte” Politiker, dafür herzlichen Dank. Auch in Blogs und Social Networks tut sich Einiges.

Wo liegt in Deutschland der Schwerpunkt beim Online-Wahlkampf 2009? Twitter, Blogs, Social Networks? Eigene Websites der Parteien und Politiker? Oder können wir – was ich bezweifle – sogar ganzheitliche Strategien à la Obama erwarten? Ich freue mich auf Kommentare hier oder in unserer Xing-Gruppe.

[Foto: almagon | photocase.com]

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Discussion

Comments for “Sind Social Networks Orte für den Wahlkampf?”

  • Mit dem Thema Wahlkampf im Internet hab ich einige Erfahrungen mit Politikern gemacht. Ich hab also ein paar ergänzende Fragen anzumerken:

    * Die Obama Wahlkampfstrategie wurde über den Zeitraum von fast 3 Jahren auf den Tag der Wahl hin geplant, davon die letzten 18 Monate der Kandidatur für die Präsidentschaft im Team mit Kommunikationsexperten fürs Web. Kommen im Vergleich dazu die Web 20 Vorhaben unserer Politiker für die 2009 Wahlen noch rechtzeitig ?

    * Twitter ist prima, um mit Anhängern und Wahlkampfhelfern organisatorische Details wie Termine oder Links zur politischen Umweltbeobachtung, -z.B. auf Artikel in Medien- zu teilen. Twitter bindet vorhandene Kontakte besser und näher an den Kandidaten. Doch Kontakt ist nicht gleich Kontakt, das politische Netzwerk ist schwierig im Web abzubilden.
    Die Abstufungen der in der Realität vorhandenen Vertraulichkeitsschalen um den Kandidaten und innerhalb der Partei sind mittels Twitter mit Umwegen abzubilden, z.B. wenn der Kandidat multiple Twitter-Identitäten führt. (Das Wahlkampfteam von Obama hat diese Rollen übernommen, abgebildet bis runter auf die regionalen Strukturen der US Bundesstaaten). Doch Lösungen mit Schreibern aus dem Wahlkampfteam - noch schlimmer mit Lohnschreiberlingen beauftragter Agenturen - werden bei Uns verdammt. Welche Lösungsansätze gäbe es, um mehr Akzeptanz zu schaffen?

    * Wir haben hier regional stärker verankerte Strukturen, als in den USA. Ein Beispiel: Die SPD führt seit einigen Jahren meinspd.net. Diese Plattform ist bis runter auf die regionalen Strukturen eigentlich ganz gut abstufbar, in Foren, Blogs usw. Auch für Nichtmitglieder sind viele Bereiche offen. Trotzdem entschied sich erst Ypslianti und dann auch TSG und damit die Hessen SPD zweimal dagegen, meinespd.net für den eigenen Wahlkampf zu nutzen. Auf meinespd.net ist zur Hessenwahl kaum etwas zu finden. Welche Merkmale sollte eine von einer Bundespartei betriebene Plattform Im internet haben, um auch auf der Ebene von Landespartei und Bezirksverband deren Selbständigkeit und die ihnen eigenen gepflegten vertraulichen Netzwerkstrukturen abzubilden?

    Ich freu mich auf hoffentlich viele Themen hier.

    Peter Löwenstein
    http://www.regioblog.de

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